Johanniter März 2025

Einsiedel bei Chemnitz / Franz Müzel öffnet die Tür zum Interview: „Wenn man ganz rechts an der Ecke vom Haus über das kleine Tal schaut, sieht man es schon“, er- klärt der 80-Jährige. Und auf dem gegen- überliegenden Hügel hinter dem idyllischen Zwönitztal erhebt sich das Ensemble eines ehemaligen Pionierlagers aus DDR-Zei- ten. Damals war es eine Vorzeige-Anlage mit Tanzsaal, Sporthalle und Platz für rund 1.600 Menschen. In den letzten Jahren ist das ehemali- ge „Palmiro Togliatti“ für den pensionierten Agrar-Ingenieur zu einer Art Schicksalsort geworden, der Vergangenheit, Gegen- wart und Zukunft miteinander verbindet. Denn mittlerweile ist der Gebäudekomplex eine Johanniter-Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete. Genau vor dieser stand Franz Müzel eines Tages; mit seinem Schachbrett unter dem Arm und dem Wunsch, die neuen Bewohner besser kennenzulernen. Doch bis Schach gegen kulturelle und sprachliche Barrieren Zug um Zug ins neue Leben zu seiner ersten Schach-AG sollte es noch eine Weile dauern. Der lange Weg zum Ehrenamt Das Zusammenleben verlief nicht im- mer reibungslos in dem kleinen Ort, er- innert sich Dr. Müzel. „Es gab einige, die die Flüchtlingseinrichtung kritisch sahen – und zeitweise auch ich“, gibt er heute zu. Die Neugier und der Wille, etwas zu tun, waren jedoch größer. „Man muss mit den Menschen einfach ins Gespräch kommen“, erklärt Franz Müzel. „Dann sieht vieles ganz anders aus.“ Und so kontaktierte der Hobbyschach- spieler eines Tages den Leiter der Auf- nahmeeinrichtung. Man könne doch eine Schachgruppe ins Leben rufen. Begeistert von der Idee, erklärte ihm der Einrich- tungsleiter, Rico Denninger, dass dafür ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis nötig sei. Gut drei Monate später war es da Fotos: Tobias Naumann, Sebastian Späthe Ein gewöhnlicher Freitag in Einsiedel: Dr. Franz Müzel ist mit Bewohnern der Aufnahmeeinrich- tung in eine Schachpar- tie vertieft. 16 Johanniter / März 2025 / Landesverband Sachsen

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