Johanniter Juni 2025

Fotos: Johanniter, Sabrina Risse Der feuchte Waldboden dämpfte meine Schritte, der Duft von Erde und Laub misch- te sich mit der Witterung des Mannes. Doch dann – eine Wendung. Die Spur kehrte um, führte mich hinaus aus dem Wald. Ich folgte der Spur, den Kopf tief gesenkt, meine Nase in ständigem Spiel mit dem Wind. Wir überquerten die erste Straße, die Lichter der Laternen warfen lange Schatten. Die Spur blieb stark. Weiter zur nächsten Straße, vorbei an parkenden Autos, an Häu- sern, die still in der Nacht ruhten. Menschen würden hier schlafen – aber nicht der, den ich suchte. Er war noch draußen, irgendwo. Und ich wusste, wo. Dann zog mich die Spur ganz plötzlich tief hinein in einen unscheinbaren Hinterhof eines Hauses. Er stand hinter einem großen Trampolin, ein Schatten in der Nacht, den Geruch von Erde und Wald an seiner Klei- dung. Er lehnte schwer auf einem Stock, sein Blick suchte, unsicher, müde. Ich hielt inne, wedelte leicht mit der Rute, wollte ihm zeigen: Ich habe dich gefunden. Es ist gut. Mein Hundeführer sprach ihn vorsich- tig an, die Stimmen der anderen wurden leiser, aber ihre Erleichterung spürte ich. Der Mann blinzelte, sah uns an – und dann geschah das, was ich am meisten liebe. Sein Gesicht entspannte sich. Er war nicht mehr allein. Die Polizisten halfen, ihn ins Pflege- heim zurückzubringen. Ich saß still da, schaute ihnen nach. Mein Herz pochte – nicht vor Anstrengung, sondern vor Freude. Ich hatte ihn gefunden. Ich hatte meinen Job gemacht. Und dann – liebe Hände auf meinem Fell, sanftes Streicheln, warme Worte. Mein Hun- deführer lachte, lobte mich, seine Stimme voller Stolz. Die anderen auch. Sie alle freu- ten sich mit mir. Ich spürte ihre Dankbarkeit, ihre Zuneigung. Und als ich dann meine wohlverdiente Belohnung bekam – oh, das war das Beste! Der Fund, das Lob, die Leckerlies – al- les gehörte zusammen. Und ich? Ich we- delte glücklich mit der Rute. Bereit für die nächste Suche.“ Diesen Text schrieb unsere ehrenamtliche Führungskraft und Staffelleiterin Susann Kraft. Hunde, die Leben retten – und unsere Unterstützung brauchen Einsätze wie dieser sind für die Johanniter-Ret- tungshundestaffel in Ostwürttemberg, Würt- temberg-Mitte, Stuttgart-Enzkreis und Baden- Karlsruhe Alltag. Doch selbstverständlich ist ihre Arbeit nicht – im Gegenteil: Alle Hundeführe- rinnen und Hundeführer engagieren sich ehren- amtlich. Sie investieren unzählige Stunden in die Ausbildung ihrer Hunde, trainieren regelmäßig und stehen Tag und Nacht bereit, wenn Men- schen vermisst werden. Und das alles, ohne dass die Angehörigen oder die Gesuchten selbst für die Einsätze zahlen müssen. Damit Hunde wie Aiko weiterhin Leben retten können, brauchen die Rettungshundestaffeln Unter- stützung. Spenden helfen dabei, Trainingsmaterial, Einsatzausrüstung und die medizinische Versorgung der Hunde zu finanzieren – denn ohne diese Teams wären viele Menschen in Not auf sich allein gestellt. Helfen auch Sie! Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Regionalverband Baden IBAN: DE07 3702 0500 0004 3005 01 BIC: BFSWDE33XXX (SozialBank) Stichwort: Rettungshunde »Ich hatte den Mann gefunden, ich hatte meinen Job gemacht.« 16 Johanniter / Juni 2025 / Landesverband Baden-Württemberg

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