Johanniter September 2025
Foto: Johanniter RV Mittelfranken / Ein Kind sitzt still in der Ecke, spielt scheinbar versunken mit Bau- klötzen. Niemand würde auf den ersten Blick erkennen, dass es gerade einen gelieb- ten Menschen verloren hat. Kinder trauern anders – oft leise, manchmal unsichtbar. Ihr Schmerz ist nicht weniger tief, aber er zeigt sich selten so, wie Erwachsene es erwar- ten. Statt zu sprechen, drücken Kinder ihre Gefühle oft im Spiel, im Verhalten oder im Körper aus: durch Unruhe, Rückzug, Wut oder plötzliches „Wieder-Kleinsein“. Dass Kindern die Worte fehlen, ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit. Vielmehr fehlen ihnen oft schlicht die sprachlichen Mittel, um das, was sie erleben, in Worte zu fassen. Besonders jüngere Kinder befinden sich noch mitten im Aufbau ihres emotiona- len Vokabulars. Begriffe wie „Trauer“, „Verlust“ oder „Endgültigkeit“ sind abstrakt und schwer greifbar. Und selbst für ältere Kinder ist der Tod meist ein neues, tief verunsicherndes Erlebnis, für das es keine erlernten Routinen oder Vorbilder gibt. Gefühle überfordern die Sprache – nicht nur bei Kindern. Im Lacrima-Zentrum für trauernde Kinder in Nürnberg-Langwasser begegnen wir dieser Sprachlosigkeit mit alternativen Zugängen: durch kreatives Gestalten, freies Spiel, Bewegung, Rituale und Gespräche, die sich dem Tempo des Kindes anpassen. Hier darf alles sein – auch das Schweigen. Denn kindliche Trauer braucht nicht viele Worte, sondern vor allem Menschen, die genau hin- hören – auch dann, wenn es still wird. Mehr über den Regionalverband Mittelfranken lesen Sie unter: www.johanniter.de/mittelfranken/lacrima Eine gestaltete Kerze für eine verstorbene Mama – Trauerarbeit ist vielseitig. Wenn Kinder keine Worte haben Ihre stille Sprache der Trauer 17 Johanniter / September 2025 / Landesverband Bayern
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