Johanniter Dezember 2025

Constanze Ostertag leitet der- zeit das Projekt Lacrima, das sich mit der Trauerbegleitung von Kindern und Jugendlichen und jungen Erwachsenen be- schäftigt. Michael Mayer ist im Berufsleben Personalleiter bei den oberbayerischen Johanni- tern, aber privat engagiert er sich ehrenamtlich als Trauer- begleiter bei Lacrima. Frage: Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagie- ren – und warum sind Angebote wie Lacrima so bedeutsam? Constanze: Mich berührt, wie wenig Raum Tod und Trauer in unserer Gesellschaft hat - ob- wohl alle betroffen sind. Kinder leiden besonders, wenn darü- ber geschwiegen wird. Der Tod bleibt Tabuthema. Fehlen Worte und Zeit, fühlen sich Trauernde allein und ausgegrenzt. Junge Menschen brauchen siche- re Orte wie Lacrima - wo alle Gefühle sein dürfen und nichts bewertet wird. Trauergruppen geben Halt. Das Gefühl »Du bist nicht allein« ist oft mitentschei- dend für die Verarbeitung. Frage: Die Johanniter haben mit Lacrima einen besonderen Ansatz in der Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche ent- wickelt. Können Sie erklären, was diesen Ansatz besonders macht? Welche Ziele haben Sie sich gemeinsam gesetzt? Constanze: Lacrima bietet trau- ernden Kindern und Jugend- lichen niedrigschwellige, pro- fessionelle Begleitung. Kinder trauern anders - sprunghaft wie beim ‚Pfützenspringen‘. Oft ver- halten sich Kinder nach Verlus- ten unauffällig, um die anderen Familienangehörigen zu scho- nen, leiden aber still. Parallel- Angebote für Angehörige und qualifizierte Weitervermittlung ergänzen die Arbeit. Geschulte Ehrenamtliche schaffen siche- re Räume wo alle Gefühle sein dürfen, ohne bewertet, sondern vielmehr gemeinsam ausgehal- ten, werden. Auch Angehörigen erleben hierdurch Entlastung. Michael: Das Kind steht im Mittelpunkt – jede Trauer hat ihr eigenes Tempo, wir bieten ech- te Begleitung. Unsere Ziele sind eine flächendeckende Erreich- barkeit, Schulkooperationen und digitale Formate für Jugend- liche. Trauer sichtbar machen und Räume schaffen ist unsere gemeinsame Vision. Frage: Welche konkreten Schritte gehen Sie mit dem Projekt Lacrima in den ersten Monaten nach dem Start und welche Wirkung wünschen Sie sich langfristig für trauernde Kinder und ihre Familien? Constanze: Dank der LEADER- Förderung können wir Trauer- gruppen in der Mittleren-Isar- Region anbieten und ausbauen. Dafür müssen wir weiter ehren- amtliche Begleiter gewinnen und ausbilden. So aufgestellt, hoffen wir, zahlreichen betrof- fenen Kindern helfen zu können. Mein Zukunftstraum ist Lacri- ma als fester Bestandteil der Unterstützungslandschaft und die Enttabuisierung von Tod und Trauer durch präventive Auf- klärung in Schulen und Vereinen - wie Erste Hilfe. Der Tod gehört Warum Spenden für Johanniter Lacrima wichtig sind: 1. Kostenlose Hilfe für alle Betroffenen: Das Angebot von Lacrima ist kostenlos für alle, welche unsere Hilfe benötigen - keine Familie sollte sich Sorgen über Geld machen, wenn sie in der schwersten Zeit Unterstützung braucht. 2. Hohe Kosten pro Kind: Ca. 2.000 Euro kostet die Teilnahme für ein Kind über den Zeitraum von 2 bis 3 Jahren. Das zeigt den enormen Aufwand für professionelle Begleitung, Ausbildung der Ehrenamt- lichen und Materialien. 3. Spezialisierte Hilfe für eine vulnerable Gruppe: Kinder unterdrücken oft ihre Gefühle, um niemandem zur Last zu fallen. Das kann krank machen. Ohne professionelle Hilfe können Traumata entstehen, die ein Leben lang nachwirken. Fotos: Johanniter Constanze Ostertag Stimmen aus Lacrima Michael Meyer 18 Johanniter / Dezember 2025 / Regionalverband Oberbayern

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