Johanniter März 2026
Was ist aus Ihren Neujahrsvorsätzen geworden? Klappt es noch mit der Umstellung der Ernährung – weniger Fritten und Currywurst, dafür mehr Obst und Gemüse? Und was macht der Sport? Sind Sie inzwischen zum zahlenden Dauerförderer Ihres Fitnessstudios geworden oder trainieren Sie noch ernsthaft? Wie? Sie sind damit gescheitert, wie in den Vorjahren? Ja, klar, wir kennen alle jemanden, der schon viel früher aufgegeben hat. Aber deswe - gen fühlt sich das eigene Scheitern nicht besser an. Wir können übrigens alle mit dem gemeinsamen Scheitern gleich weitermachen. Es ist nämlich Fastenzeit. 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag. Da wird in der Christenheit seit Jahr - hunderten gefastet. Freitags kein Fleisch. Nach dem Karneval erstmal keine Feste mehr. Sogar Hochzei - ten gibt es in den Kirchen erst wieder nach Ostern. Wo Verzicht gut täte / Bis dahin wird auf die Brem - se getreten. Weniger Luxus. Verzicht auf alles Mög - liche. In meinem Bekanntenkreis wird auf vielerlei verzichtet – auf Gummibärchen und Schokolade, auf Alkohol und Zigaretten, sogar aufs Autofahren und auf den unbegrenzten Zugriff auf das Smartphone! Es ist wie zum Jahreswechsel: Jede und jeder kennt die eigenen Schwächen am besten und weiß des - halb ganz genau, wo ein bisschen Verzicht guttäte. Die Vorsätze sind gut, aber mit dem Durchhalten, da haben wir unsere Probleme. Seit Jahren lädt die Aktion „Sieben Wochen ohne“ dazu ein, die eigenen Gewohnheiten und Routinen zu hinterfragen, als Versuch, neue Wege zu ge - hen. Das Motto in diesem Jahr: „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte.“ In einer Zeit ständiger Selbst optimierung, wo alles noch perfekter laufen soll, kann das ein sinnvoller Gegenentwurf sein. Nicht so hart sein gegen andere. Und nicht so hart sein gegen sich selbst. Schöner scheitern / Mich nicht dafür verdammen, wenn ich mir bei einem guten Vorsatz untreu werde. Mich nicht gleich zum Versager erklären, wenn ich nicht perfekt funktioniert habe. Die Bibel ist üb - rigens voll von Menschen, die an ihren Vorsätzen gescheitert sind. Petrus erlebt sein Scheitern im Garten Gethsemane. Moses und eine ganze Reihe der Propheten drücken sich anfangs vor ihren Auf - trägen. Jona ergreift sogar die Flucht und muss erst von einem Wal verschluckt werden, ehe er seine Richtung wiederfindet. Die Liste der Scheiternden in der Bibel ist lang. Dennoch behält Gott sie alle im Auge, vergibt und schenkt Kraft und neue Anfänge. Scheitern gehört zum Leben. Kein Grund, sich dafür zu verdammen. Im Vertrauen darauf, dass unser Wert nicht von der Bilanz unserer Erfolge abhängt, sondern von dem liebevollen Blick, den Gott auf un - ser Leben hat. Also: Machen wir weiter mit unseren guten Vorsätzen. Und wenn wir nicht durchhalten: Scheitern wir schöner! / Frank Neumann Foto: Tobias Eilers / Illustration: raufeld/Martin Rümmele Beiträge in der Rubrik „Denkanstoß“ geben nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wieder Frank Neumann ist Bundespfarrer der Johan - niter-Unfall-Hilfe. Mit seinem Jahresvorsatz, weniger Fleisch zu essen, fühlt er sich auf der Gewinnerstraße. Scheitert aber gelegentlich an der Wursttheke. Denkanstoß Die Vorsätze sind ja gut, aber … 29 Johanniter / März 2026 / Unter Freunden
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