Johanniter März 2026
Schule, wie er darauf mit Aggression und Gewalt re - agiert hat und wie seine Mutter überfordert mit ihm war. Darauf hin landete Felix ebenfalls in „so Ein - richtungen“. Als er nach Hause zurückkommt, stellt er schnell fest, dass ihm die Selbstständigkeit für ein eigenes, selbstbestimmtes Leben fehlt. Über ein paar Umwege findet er ins „Haus der Jugend“ und wird seither von Maurice Ullrich betreut. „Die Jugend - lichen lernen hier, wie man mit anderen Menschen und Konflikten umgeht. Sie lernen im geschützten Raum, mit Geld umzugehen, sich zu versorgen, ein - kaufen, kochen – das ganz alltägliche Leben“, erklärt der Sozialpädagoge. Und Felix kocht gern: Lasagne, Chili con Carne, Kohlrouladen. Am liebsten würde er Koch werden, hat mit Maurices Hilfe mehr als 50 Bewerbungen geschrieben, mehrere Praktika und Probearbeiten absolviert – und ist doch nicht ge - nommen worden. „Ich hab‘ jetzt erst einmal eine Ausbildung zum Fleischereifachverkäufer begonnen“, erzählt Felix. Schritt für Schritt geht der junge Mann ins eigene Leben, hat den Rückhalt der Betreuer und Freunde unter den Jugendlichen im Haus. Gesundwerden als Ziel / Auch Hanna nutzt diesen sicheren Raum, um ihren Alltag neu zu organisieren. Und „um gesund zu werden“. Depressionen, Bulimie, Verdacht auf Borderline, Zwangsstörungen – die 18-Jährige zählt eine ganze Reihe von psychischen Erkrankungen auf, unter denen sie leidet. All das sind Folgen einer von physischer und psychischer Gewalt geprägten Kindheit. Hanna hat Schlimmes erlebt und ertragen, ohne, dass Behörden eingegrif - fen haben. Mit 16 Jahren reißt sie von zu Hause aus, kommt bei Freunden unter und bittet schließlich beim Jugendamt um Hilfe. Unter keinen Umständen wieder zurück in die Familie – das ist ihre einzige Bedingung. Seit Juli 2025 ist Hanna nun im „Haus der Jugend“. Dankbar für den Zusammenhalt und die Unter - stützung, wenn sie mal wieder von einem „psychi - schen Down“ erwischt wird und die Betreuer für sie da sind. „Das ist ein richtig schönes Zuhause hier“, sagt Hanna. Ihre nächsten Schritte: als Verkäuferin arbeiten, Geld ansparen, nach Berlin in eine eigene Wohnung ziehen. Und hoffentlich gesund werden. Um jungen Menschen wie Felix und Hanna helfen zu können, braucht „Haus der Jugend“-Leiter Oliver Brückner ein engagiertes und vielseitiges Team. Ein Großteil der Arbeit ist Alltag – Einkäufe orga - nisieren, kochen, putzen, Bewerbungen schreiben, Behördengänge machen. Dazwischen gibt es zum Beispiel das therapeutische Boxen, bei dem die Beim gemeinsamen Kochen im „Haus der Kin- der“ ebenso wie im Alltag von Hanna und Felix im „Haus der Jugend“: Verselbstständigung und Halt geben sind die Grundsätze der Arbeit. Johanniter / März 2026 / In Aktion 7
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