Johanniter März 2026

gewinnen.“ Was wie eine Binsenweisheit klingt, kann eine schwierige Aufgabe sein: Paul hat eine jahre - lange Odyssee hinter sich. Schon mit vier Jahren wurde er aus seiner Familie genommen – nach massiver Gewalt gegen ihn. In den folgenden Jahren fand er sich in insgesamt 14 Einrichtungen wieder. Überall dasselbe Muster: Sein aggressives Verhalten sorgt für schnelle Überforderung der Betreuer – und das Jugendamt muss einen neuen Platz finden. Seit das „Haus der Kinder“ im vergangenen Herbst gegründet wurde, ist Paul einer der ersten Bewoh - ner. Jessica Rona und ihr Team bemühen sich, den Teufelskreis zu durchbrechen: „Auch wenn es immer wieder Aggressionen gibt, wir versuchen, ihm und den anderen ein stabiles Zuhause zu geben.“ Nach aktuellen Statistiken leben rund 128.000 Kin - der und Jugendliche in stationären Einrichtungen. 69.500 davon aufgrund einer sogenannten Inob - hutnahme, also der Herausnahme eines Kindes aus seiner Familie aufgrund einer akuten Gefährdungs - situation. Wie die meisten der aktuell 18 stationä - ren Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe der Johanniter ist auch das „Haus der Jugend“ aus der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchte - ten entstanden, die seit 2015 besteht. Während das Team um den pädagogischen Leiter Oliver Brückner seit 2020 immer weniger Geflüchtete betreut, steigt der Bedarf an stationären Angeboten für Kinder und Jugendliche ohne Fluchterfahrung zunehmend an. Den Alltag bewältigen / „Darunter sind sogenann- te Selbstmelder, also junge Menschen, die beim Jugendamt vorstellig werden und um Hilfe bitten. Auch überforderte Eltern kommen mit ihren Kin - dern. Und dann gibt es natürlich noch die Fälle, bei denen das Jugendamt eine Inobhutnahme wegen „Wir geben Struktur , Orientierung und einen Rahmen. Das Wichtigste dabei: Verlässlichkeit und Vertrauen gewinnen. “ Jessica Rona, Teamleiterin Fotos: Nikolaus Brade Kindeswohlgefährdung anordnet“, erklärt Brückner. Vier Wohngemeinschaften mit insgesamt 17 Plät - zen hat er in seinem „Haus der Jugend“. Eine der Gruppen ist rund um die Uhr mit einem Pädagogen besetzt, die anderen sind sogenannte Verselbst - ständigungswohngruppen. Hier leben Jugendliche, die schon gut allein zurechtkommen, aber teilweise noch Hilfe bei der Bewältigung des Alltags brauchen, die noch nicht volljährig sind und Abstand zu ihren Familien halten sollten oder wollen. Felix ist einer von ihnen. Seit Oktober 2024 wohnt er im „Haus der Jugend“. Der 19-Jährige erzählt von seinen Problemen zu Hause, vom Mobbing in der Ob Doreen Schamm oder eine andere Erzieherin der Johanniter: Für Paul ist bei Be - darf immer jemand da. Oliver Brückner weiß als pädagogischer Leiter, wie wichtig der geschützte Raum ist, den er bietet. 6

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