Johanniter Juni 2026
Foto: Privat Den Sanitätsdienst der frühen Tage hat Barbara Schneider noch „mit kleiner Ledertasche“ erlebt. „Kein Vergleich zu der heute sehr professionel- len Ausrüstung und Ausbildung“, erinnert sich die 79-Jährige. Das Schicksal der „alten Zeit“ sei es auch gewesen, dass die Helfenden an sechs Sonntagen in Folge bei Einsätzen mit Erbsensuppe verpflegt wurden: „Weil alle Veranstalter für sich entschieden hatten, dass Erbsensuppe das ideale Essen sei.“ Über fehlende Abwechslung kann sie sich in der Rückschau nicht beklagen: Neben regelmäßigen Einsätzen im Sanitätsdienst war sie in der Gewerk- schaft aktiv, hat in der Kommunalpolitik mitge- mischt und sich in der Jugendarbeit engagiert. Dabei war ihr Start ins Berufsleben alles andere als einfach. Aufgewachsen in einem Dorf, Realschule beendet, aber das nächste Gymnasium 20 Kilometer entfernt – da blieb ihr Wunsch nach einem Medizin- oder Theologiestudium unerfüllbar. Ab ins Finanzamt! / Als dann der Vater noch schwer krank und das Geld knapp wurde, hieß es: schnell einen Beruf lernen. Eine Tischlerlehre hätte ihr zwar gefallen. „Aber das war damals für Mädchen nicht gewollt.“ Die Arbeit beim Zoll klang auch verlockend, erinnert sich Barbara Schneider. Doch dann habe der Vater eines Freundes von seiner Arbeit beim Finanzamt erzählt. Und so landete sie in der Finanz- verwaltung. „Das klingt viel langweiliger als es war. Ich habe keine zehn Jahre lang dasselbe gemacht, oft gewechselt und neue Aufgaben übernommen.“ Ob als Personalratsvorsitzende oder Ausbilderin im Sanitätsdienst: Verantwortung ist durchaus ihre Sache. Porträt Früher war mehr Erbsensuppe. Barbara Schneider ist seit mehr als 60 Jahren aktiv im Ehrenamt der Johanniter. Mit ihrem Mann zusammen kommt sie sogar auf 124 Dienstjahre. Ihr Wunsch heute: Lasst die Jugend Erfahrungen machen! Zum Sanitätsdienst ist sie schon früh gekommen. Bei einem Geländespiel in der Mädchengruppe wurde ihr klar: „Ein Erste-Hilfe-Kurs muss sein.“ Das war 1965, und weil ihr der Kurs so viel Spaß gemacht hat, kam ein Fortgeschrittenen-Kurs dazu, dann die Sanitäter- Ausbildung. Nach Einsätzen, zum Beispiel bei Pferde- rennen und Veranstaltungen im Funkhaus Hannover, wurde sie Leiterin des Jugendzuges in Hannover. 1967 lernte sie ihren späteren Mann Jürgen beim Kirchentag kennen. Auch er war schon aktiv bei den Johannitern und sie folgte ihm nach Bielefeld. Ein gutes Händchen für die Orga / Als die Kinder kamen, trat Barbara Schneider im aktiven Sanitäts- dienst etwas kürzer. Doch sie blieb den Johannitern erhalten: Ihre Fähigkeiten, gut zu organisieren und auszubilden, wurden gebraucht. Sie kümmerte sich viele Jahre um die Verwaltung und die Kasse des Ortsverbandes, bis Brotberuf und Kommunalpolitik sie mehr in Anspruch nahmen. Aktuell führt sie das Büro des Ortsbeauftragten der Johanniter, plant Einsätze, kümmert sich um Verwaltung und Kasse. „Sortieren, Lochen, Abheften“ – das macht die 79-Jährige immer noch für die Johanniter. „Es ist schön, noch etwas tun zu können.“ Auch wenn sich der Sanitätsdienst stark gewandelt habe: „Gleich- geblieben ist die Bereitschaft von Menschen, für an- dere da zu sein und ihnen Hilfe zu bieten. Und das in einer guten Gemeinschaft.“ Wenn sie einen Wunsch für die Johanniter dieser Tage formulieren dürfe, dann diesen: „Uns wurde als jungen Menschen viel zugetraut, wir konnten uns verwirklichen. Wir sollten auch der Jugend von heute die Chance bieten, eige- ne Erfahrungen zu machen.“ / Peter Altmann Johanniter / Juni 2026 / Unter Freunden 27
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