Johanniter September 2026
Nicht nur gut ankommen – sondern sich auch zu Hause fühlen: Willkommmens- kultur ist ein wichtiger Teil des Konzepts. ihrer Heimat viel Geld und Zeit investiert, um in Deutschland als Pflegefachkraft arbeiten oder die Ausbildung dafür machen zu können. Sie haben Vokabeln und Gram - matik gepaukt, die deutsche Sprache er - lernt und die harte Sprachkundigenprüfung absolviert. Sie haben ihre Chance gesehen, sich eine Existenz aufzubauen, einen Be - rufswunsch zu realisieren. Vor allem haben sie Courage bewiesen, aber die allein reicht nicht, um sich hier heimisch zu fühlen. Mentoring hilft / Stephanie aus Madagas- kar erzählt, wie sehr sie das Gewusel der neun Geschwister und ihrer Großfamilie vermisst. Anderes Wetter ist sie aus Ma - dagaskar auch gewohnt. „Es macht mich manchmal sehr traurig. Mit der Zeit wird es ein bisschen besser.“ Stephanie lenkt sich dann beim Klettern ab oder findet im Kino Abwechslung und Freude. Und Oussama, der anfangs lange Arbeitswege hatte und viel Zeit für An- und Abreise investier- te, weil er nur eine WG im Umland fand, konnte irgendwann endlich in die eigene Wohnung ziehen. Dank eines Patienten, den er betreute. Tarek fühlte sich nicht nur mangels Sprache isoliert, anfangs fand er viele Türen verschlossen, es kostete ihn viel Energie und Zeit. Das Fernweh zu Frau und Tochter tat das Übrige. Dina aus Algerien erlebt nicht die Entwicklung ihrer jüngeren Geschwister und vermisst das heimatliche Feeling, genauso, wie sie alle ihr landestypisches Essen, ihre Musik und Kultur vermissen. Nawress erzählt, dass sie sich häufig untereinander austauschen und versuchen, einander zu stärken. Wenn Svjetlana Kosoric von unspezifischen körperlichen Reaktionen oder Magen- problemen hört, sucht sie das Gespräch. „Wenn junge Menschen alleine, fernab der Heimat einen neuen Weg beschreiten, ist es nur menschlich, dass es auch Tiefs gibt. Dann ist es unsere Aufgabe, da zu sein.“ Ein Mentoring, das die Willkommenskultur unterstützt, hilft in diesen Momenten auch. Tarek lobt, er sei sehr unterstützt wor - den, einen Schritt nach dem anderen zu machen und habe die Möglichkeit bekom- men, sich zurechtzufinden und dann auch Verantwortung zu übernehmen. Da huscht ihm sogar ein Lächeln übers Gesicht. Gemeinsame Aktivitäten, eine Stadtrallye oder Kanufahrt, Angebote für Sport und Freizeit – all das ist Teil der Willkommens - kultur. Silvia Ruhuza ist erstaunt, „wie schnell sie ihre Gemeinsamkeiten ent- decken und einen Fokus auf ihre Gemein- schaft legen.“ / Ina Krauß Konzept mit Zukunft Das im Münsterland entstandene Konzept beleuchtet viele Aspekte für die Beglei- tung eines erfolgreichen Neuanfangs fernab der Heimat. Nach der erfolgrei- chen Erprobungsphase soll das Konzept auch in anderen Johanniter-Verbänden umgesetzt werden, um die Pflegeteams bundesweit zu stärken. „ Ich bin erstaunt, wie schnell sie einen Fokus auf ihre Gemeinschaft legen.“ Silvia Ruhuza Johanniter / September 2026 / In Aktion 11
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