Johanniter September 2026
Sachsen / Ein Schriftstück nach der Wende, zwei Trabis, ein Moped – und ein Wille, der sich nicht aufhalten ließ. Wie die Johanniter in Sachsen entstanden und was aus diesen mutigen Anfängen wurde. Genau einen Tag und einen Monat nach dem Mauerfall macht sich im Erzge- birge ein folgenreiches Telegramm auf den Weg: „Nun ist die Zeit reif und wir können ‚Hammer und Sichel‘ zur Seite legen“, heißt es darin – angeschlossen die Frage, wie man es bewerkstelligen könne, eine Stadt- oder Kreisorganisation der Johanniter- Unfall-Hilfe im Erzgebirge zu gründen. 35 Jahre Johanniter in Sachsen: Ein Telegramm des Aufbruchs »Der Mensch steht im Mittelpunkt. Das war 1990 so und gilt bis heute.« Dietmar Link, Mitglied des Landesvorstandes Sachsen Fotos: Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. Landesverband Sachsen Und auch anderswo regte sich etwas. Überall in der ehemaligen DDR war der Wunsch groß, den eigenen Glauben in den Dienst der Menschen zu stellen – noch mit- ten in den Wirren der Wiedervereinigung. So zum Beispiel auch in Plauen. Bereits im Herbst 1990 nahmen die Johanniter dort ihren Dienst auf: mit einer Handvoll Mitar- beitenden, einem geliehenen Krankentrans- portwagen und einem Büro im städtischen Fuhrpark. Was trocken klingt, war gelebter Pioniergeist – in einem Land, das sich wie - der einmal neu erfinden musste. Der Zeit voraus: Die Sozialstation mit Seniorenclub vereinte medizinische und soziale Betreuung. Schon 1991 wurden im Erzgebirge 25.000 Hausbesuche pro Jahr absolviert – und das mit nur einem PKW. und einem Moped. Nicht glamourös – aber wirksam, und vor allem: von Herzen. Nicht weit entfernt wuchs der im Februar 1991 in Werdau gegründete Orts- verband binnen eines Jahres von 13 auf über 50 Mitarbeitende. In der Oberlausitz gingen die Johanniter im Mai 1991 als Kreisverband Löbau-Zittau an den Start. Zwei Mitarbeitende der allerersten Stunde sind bis heute im Kreisverband Görlitz dabei; eine von ihnen trägt inzwischen Verantwor- tung als Pflegedienstleitung. Eine Biografie, die stellvertretend für viele steht, die bei den Johannitern nicht nur eine berufliche Heimat gefunden haben. Pioniergeist mit Trabis Ernst machte auch Dr. von Wirsing, der Verfasser des Telegramms im Erzgebirge. Am 29. September 1990 gründete sich im Ratskeller von Aue der erste sächsische Kreisverband. Der Kreisverband Kempten im Allgäu stand Pate und half mit Fahrzeugen, Fachkräften und Wissen. Ein Pflegedienst nach dem anderen öffnete seine Türen: in Aue, Schneeberg, Zwönitz. Mit vier Pflegefachkräften und einem einzigen Auto absolvierte der Dienst in Aue im Jahr 1991 rund 25.000 Hausbe- suche. Schneeberg startete mit zwei Trabis 16 Johanniter / September 2026 / Landesverband Sachsen
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